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Das Wesen und Potential von Shiatsu Teil1

Eine Zusammenfassung von 76 Interviews, geführt in Deutschland und Österreich von
Shiatsupraktikerinnen mit ihren Kundinnen.


(erarbeitet, angelehnt an „ Wesen und Potential von Shiatsu. Analyse und Interviews von Achim
Schrievers,Sylvia Münch, Karin Koers und Bruno Endrich, Juni 2017)


Folgende sechs Leitfragen wurden den Klientinnen gestellt:


1. Hat die Shiatsu-Erfahrung Ihr Leben beeinflusst und wenn ja wie?
2. Gibt es etwas, das sich bis in die Gegenwart hinein auswirkt?
3. Was ist für Sie das entscheidende am Shiatsu?
4. Haben Sie anderswo ähnliche Erfahrungen gemacht?
5. Was hat Sie zum Shiatsu geführt und wem würden Sie Shiatsu weiter empfehlen?


Die Auswertung aller Interviews ergab bestimmte Hauptthemen, die ich wie folgt
zusammenfasse unter:


1. Berührung: begegnen – berühren – bewegen
2. Körper- und Selbstwahrnehmung
3. Schmerz
4. Begleitendes Gespräch
5. Shiatsu ist individuell
6. Entspannung – Loslassen
7. Ganzheitlichkeit / Integration


1. Berührung


Die am häufigsten beschriebene Wirkung von Shiatsu – Berührungen ist das Erleben tiefer
Entspannung verbunden mit innerem Wohlgefühl.
Im Zustand der Tiefenentspannung, betreten wir einen Bewusstseinszustand, der uns im
Alltag so nicht zur Verfügung steht. Wir treten in Kontakt mit unserem Unbewussten, so
wie es auch während des Schlafes geschieht.
Um sich in die eigene Tiefe fallen zu lassen, braucht es Vertrauen, denn sich fallen zu
lassen bedeutet die Kontrolle aufzugeben.
Dieses Vertrauen entsteht in der Qualität der Berührung. So beschreiben viele Klientinnen
in der Berührung sich gesehen, respektiert und verstanden zu fühlen. Hierfür ist Vertrauen
in die Behandlerin und eine vertrauensvolle Atmosphäre notwendig.
Über den Körper die Seele berühren


„Es hat mich positiv ermutigt, meinen Körper als mein zu Hause zu betrachten. Durch
Shiatsu bin ich erstmals richtig in meinen Körper rein gekommen und das hat meine
Präsenz erhöht und das hat letztlich zu mehr Erfolg geführt, da die Bereitschaft entstanden
ist sichtbar zu werden.“
Durch Shiatsu verbessert sich die Verbindung von Körper und Seele. Der Körper wird
inspiriert und die Seele geerdet. Viele Klientinnen beschreiben das Einsetzen eines
inneren Prozesses wenn das Denken aufhört. Dieser Prozess scheint etwas mit dem zu
tun zu haben, was sie spüren. Je feiner und subtiler sie wahrnehmen, desto tiefer und
umfassender scheint der Veränderungsprozess zu sein.


2. Körper- und Selbstwahrnehmung

 

Das entscheidende am Shiatsu ist „die körperliche und geistige Entspannung, das ich
ruhig werde, die Gedanken weniger. Meinem Körper zu zuhören. Der ganze Shiatsu-
Prozess führt bei mir zu einer Veränderung der Körperwahrnehmung.“


Die am häufigste beschriebene Langzeitwirkung von Shiatsu ist die Verbesserung der
Körperwahrnehmung, der Selbstwahrnehmung, einer verbesserten Wahrnehmung der
eigenen Bedürfnisse. Das führt zu einer verbesserten Selbstfürsorge.
Viele Klientinnen beschreiben auch einen Prozess der Selbstwerdung.
Seine eigenen Bedürfnisse zu erspüren und diesen auch nachzugeben, sind wesentliche
Bestandteile der Selbstregulation unseres Organismus.
Die meiste Zeit des Tages sind wir in ständiger Reizüberflutung und unser Körper wird
eher von dem Sympathikus- Nerv regiert. Wir sind in ständiger Aktion, Bewegung,
Zeitdruck und Anspannung.
Wenn wir zu einer tiefen inneren Ruhe finden, übernimmt der Parasympathikus unser
System. Dieser Teil unseres vegetativen Nervensystem ist für uns elementar. Der
Parasympathikus sorgt für die Regeneration und Entspannung unseres ganzen
Organsystems. Unsere Batterien werden aufgeladen. Es kommt zur Selbstregulation. Dies
geschieht immer dann, wenn wir tief und fest schlafen, wenn wir zur Ruhe kommen, wenn
wir nichts machen und in Frieden mit uns sind.
Der Körper zeigt uns, was er braucht. Wenn wir die Signale besser wahrnehmen und
verstehen und auch danach handeln, kann sich ein verlorenes Gleichgewicht wieder
einstellen.


Zitat von Klientinnen:
„Ich bin besser drauf und habe dauerhaft ein besseres Körpergefühl. Verspannungen
lösen sich und lassen nach. Ich erlebe eine stetige, langsam ansteigende Veränderung.
Ich bin freier und beweglicher in den Gelenken. Das Gefühl ist wie Tag und Nacht
gegenüber dem Anfang! Ich bin aufmerksamer mit anderen, bin mit mir im Reinen. Ich
tue anderen gut, so suchen andere meine Nähe.“
„Der Körper verbindet mich über die Berührung mit dem Jetzt, dem Augenblick. Die
Körperlichkeit hilft, sich nicht in Gedanken und Gefühlen zu verlieren.“


Die Interviews zeigten, dass eine verbesserte Körperwahrnehmung sehr eng mit der
Selbstfindung verbunden ist. Sehr viele Aussagen machen deutlich, das Körper, Qi /
Energie, Geist und Seele nicht voneinander zu trennen sind. Und Shiatsu wirkt auf dieses
ganze System.
„Durch Shiatsu fühle ich mich mehr in meinem Körper, verbundener, ganz.“
Ich sehe Shiatsu als Stärkung in allen Lebensbereichen. Alles kommt in Einklang.“

Im Shiatsu scheinen Körper-Geist –Seele miteinander zu schwingen. Auch scheint der
Mensch in eine verbesserte Harmonie mit seiner Umwelt und Mitmenschen zu kommen.
Die Fähigkeit miteinander und der Welt zu schwingen wird gestärkt. Die
Resonanzfähigkeit wird größer. Wir fühlen uns verbundener mit der Welt und den
Menschen um uns herum. Diese Fähigkeit in Resonanz zu gehen bildet die Grundlage zu
einem erfüllten und glücklichem Leben.
„Ich bin klarer auf meinem Weg. Ich komme mehr zum Ursprünglichen.“

 

Je tiefer der meditative Zustand während der Behandlung, desto tiefer liegende
Erfahrungen und Gefühle können sich zeigen und desto nachhaltiger ist auch die Wirkung.
Sorgen und Ängste relativieren sich. Es stellen sich mehr Ruhe,
Zuversicht und Gelassenheit ein .


„Durch Shiatsu konnte ich tiefgründig in mich schauen, anschauen und erkennen,
verstehen, was mit mir los ar. Ich habe Schubladen geöffnet, die tief weg waren. Die
Inhalte mir angeschaut und dann mir ein neues Gerüst zusammengebaut. Das hat mir
neue Stabilität gebracht. Auf der Suche nach mir selbst. Von der Kopie zum Original. In
der Kindheit wurde meine Persönlichkeit kaputt gemacht und daraus ist meine
Persönlichkeit erwachsen! Heute bin ich selbst.“
„Der Schalter ist dauerhaft umgelegt. Ich mache nichts mehr geschwind. Ich bin meiner
selbst bewußt! Ich kann mich vollkommen verlassen auf das, was ich tue. Meine
Gegenwart ist strukturiert und klar. Ich mache gezielt Pausen. Ich verliere meine Energie
nicht mehr.“


3. Schmerz


Oft zeigt unser Körper durch Schmerzen, dass sich etwas angeschaut werden möchte. In
diesem Fall kommuniziert unser Unterbewusstsein über unsere Körperwahrnehmung mit
uns. Dann ist die Berührung mit Shiatsu der passende Weg, sich anzuschauen, was
gerade gebraucht wird.
Schmerz lädt ein, sich mit sich selbst zu beschäftigen.
Manchmal sind es einfach nur Schmerzen auf der rein strukturellen, körperlichen Ebene.
Dann ist es eine Wohltat, wenn der Schmerz sich durch die Berührung auflöst.


„Meine ständigen Kopfschmerzen brachten mich zum Shiatsu... Ja Shiatsu füllt eine
Lücke in meinem Leben und passt so gut zu mir. Shiatsu gehört zu mir. Es hat einen
positiven Einfluß auf mich und gibt mir Ziel und Perspektive.“
Manchmal brauchen wir spürbare Schmerzen, um uns in eine bestimmte Richtung zu
bewegen. In diesem Fall hat die Klientin ständige Kopfschmerzen und hat schon viel
probiert, bis sie zum Shiatsu kam. Wenn sie aber über Shiatsu spricht, spielt der
ursprüngliche Schmerz keine Rolle. Es wird nicht einmal erwähnt, ob sie noch
Kopfschmerzen hat. Viel wichtiger ist ihr mitzuteilen, wie gut ihr Shiatsu tut.

 

Shiatsu als Körperarbeit – Berührung des Körpers zur Seele, zum Unterbewussten, um
sich als Ganzheit bewusst werden zu lassen. Shiatsu kann als Brücke von Materie zu
Energie verstanden werden.

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